Stille Helden: Entsorger

Stille Helden. Entsorger. „Das sind doch die Leute von der Müllabfuhr. Das sollen Helden sein? Die fahren den ganzen Tag doch nur unseren Müll durch die Gegend“. So oder ähnlich könnten pauschalisierte, mit Vorurteilen behaftete Aussagen klingen. Zugegeben, man muss schon sehr jung sein und voller Illusionen, erklärt man den Beruf des Müllmannes zu seinem ersten Ausbildungsziel. Doch auch ohne den von Romantik und Kinderträumen verklärten Blick durch die orangefarbene Brille sorgen die stillen Helden der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein – die Ameisen – Tag für Tag dafür, dass wir von ungeliebten Hinterlassenschaften unserer Wegwerfgesellschaft befreit werden.
Einen Tag lang begleitete ich zwei Stille Helden bei ihrer Tour…
Vorher erhielt ich aus der Firmenzentrale noch meine Arbeitskleidung:

EGN Reportage: Entsorger Arbeitskleidung

Kein Job für Langschläfer. Und es spielt keine Rolle, ob als Seiteneinsteiger oder Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft tätig, so die offizielle Bezeichnung. Das weiß jeder, der schon einmal morgens um sechs von den Geräuschen des fahrenden Müllschluckers geweckt wurde.

Stille Helden: Entsorger Titelfoto

Frühaufsteher klar im Vorteil

Keine Ausnahme für Tagespraktikanten. Punkt 5 Uhr aus dem Haus, Ankunft an der Zentrale um 5:15. Schön, wenn der Weg zur ‚Arbeit‘ nicht so lang ist. Rein in die Arbeitskleidung, Einsatzplan abholen und um 5:43 wird das HighTech-Entsorgungs- Fahrzeug erstmals (fern-)entriegelt. Für mich als Praktikant alles sehr spannend. Für Dieter tägliche Routine. Und dies seit über 30 Jahren, wie er mir sagte, den verdienten Ruhestand vor Augen. Schon mit der Fernentriegelung des Fahrzeuges läuft die erste Prüfroutine.

Stille Helden: Fahrer Prüfroutine

Weitere Tests folgen. Das ganze erinnert ein ganz klein wenig an den Check im Flugzeug. Vielleicht eine Idee für mein nächstes Praktikum? Kurz vor sechs stößt Erwin zu uns. Erwin ist der Lader. Bedeutet, dass er den Müllwagen ‚belädt‘. Boarding completed – los geht’s…

Das Abenteuer beginnt

Heute geht es um die Restmüll- Abfuhr. Zufall, dass wir durch meinen Wohnbezirk fahren und ich heute meinen eigenen Müll ein Stück weit begleiten kann. Schnell komme ich mit Dieter in’s Gespräch.

Reportage: Müllwagen Seitenansicht

Er macht es mir aber auch leicht. Wir reden über Familie, Arbeit und Erlebtes. Offen und authentisch. Sehr angenehm. Erwin, der Lader ist dagegen eher schweigsam. Mag sein, dass es an mir lag. Vielleicht gehört er aber auch zu den ruhigeren Vertretern. Wir werden sicher auch noch Gelegenheit zu einem Gespräch finden. Doch jetzt wird erst einmal gearbeitet…

EGN Reportage: Müllwagen Tonne wird geleert

Entsorgungswirtschaft auf Sparkurs

Früher gehörten immer zwei Lader und der Fahrer zur Besatzung des Wagens, heute ist es in der Regel nur noch ein Lader. Dazu sind die Touren durch dichtere Besiedlung immer größer geworden. Der Druck steigt. Auch hier spielt natürlich Geld und Aktienkurs eine nicht unwesentliche Rolle und der dadurch entstehende Druck verteilt sich auf alle Ebenen. Kurzzeitig entsteht der Druck auch an stark befahrenen Straßen und vielen zu leerenden Mülltonnen.

Stau: Blick durch den Seitenspiegel
Stille Helden: Lader bei der Arbeit
Stille Helden: Teamarbeit

Das kostet Zeit und der Lader kommt schnell in’s Schwitzen. Viele Fahrer helfen ihren Ladern in diesen Situationen, so auch Dieter. Immer wieder mal kommt es vor, dass ungeduldige PkW-Fahrer hupen und sich aufregen, dass sie ein paar Sekunden warten müssen. Doch auch diese Bürger produzieren Müll und sind sicherlich froh, dass er von Männern wie Dieter und Erwin abgeholt wird. Liebe Leute, vergesst das bitte nicht!

Ärgerliches im Job?

Alltägliche Probleme sind daneben auch immer enger werdende Straßen in den Neubaugebieten. Speziell auf unserer heutigen Route kommen sich Horden von radfahrenden Schülern entgegen, die einerseits zur Gesamtschule in einem Ort und andererseits zum Gymnasium im Nachbarort fahren. Aus fehlender Rücksichtnahme mancher Schüler muss Dieter dann schon mal stehen bleiben und warten, bis die Straße wieder befahrbar ist. Das Wetter dagegen spielt kaum eine Rolle. Gefahren wird bei fast jedem Wetter. Erst einmal in seinen 30 Arbeitsjahren im Müllwagen musste Dieter wegen drohendem Glatteis vorzeitig in’s Depot zurück. Zurückblickend überwiegen allerdings die schönen Erinnerungen, fasst Dieter seine Erfahrungen zusammen.

Cockpit Müllwagen
HighTech im Müllwagen

Mir stinkt's: die Umladestation

Mit ca. 15 Tonnen Restmüll im ‚Gepäck‘ war dann eine Zwischenleerung fällig. Also auf zur Deponie, beim Rein- und Rausfahren auf die LKW-Waage. In der Zwischenzeit wollte ich dann unbedingt ganz nah ran an den Entladevorgang. Eine Erfahrung, die mir in Erinnerung bleibt. Zum Einen wegen des ungeheuren Lärms in der Halle. Zum Anderen, und hier wurde es jetzt tatsächlich grenzwertig, wegen des schlimmen Geruchs in dieser Halle. Die Menschen, die dort Tag für Tag arbeiten, sind bestimmt nicht zu beneiden. Hier meine Eindrücke im Bild:

Reportage: Entladung Restmüll
Restmüll geht ins Zwischenlager
EGN Reportage: Müllwagen geleert

Dann war Halbzeit. Sozusagen. Meine Fotos hatte ich soweit gemacht. Die zweite Runde habe ich dann mit Erwin hinten auf dem Wagen verbracht und ihm beim Laden geholfen. Meine anfängliche Scheu vor der harten, körperlichen Arbeit hatte ich inzwischen abgelegt und es machte sogar Spaß, zwischen den Ladevorgängen hinten auf dem Trittbrett zu stehen und mir frischen Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen.

EGN Reportage: Praktikant als Trittbrettfahrer

Stille Helden: Entsorger - Fazit

Schon vor meinem Tagespraktikum bei EGN war ich voller Respekt vor der Leistung der Menschen, die sich Tag für Tag bei Kälte, Nässe oder, hinsichtlich der Gerüche vielleicht noch schlimmer, bei großer Hitze der Hinterlassenschaften unserer Gesellschaft annehmen. Menschen, die vielleicht nur bewusst wahrgenommen werden, wenn es bei einem Streik darum geht, ein paar Euro mehr auf dem Konto zu haben und deshalb als letztes Druckmittel auch mal der Müll nicht abgeholt wird.

Ich bin froh und dankbar, dass es Menschen gibt, die sich unseres Mülls annehmen und ihn vor unserer Haustüre abholen. Und es bleibt der Wunsch, dass hinter einem Müllwagen wartende Autofahrer nicht gleich auf die Hupe drücken, wenn sie mal ein paar Sekunden warten müssen.

Danke an alle Müllmänner und mittlerweile auch (vereinzelt) Müllfrauen für ihren großen Dienst an einer zumindest in dieser Hinsicht gut funktionierenden Gesellschaft.

mf

Das Service-Angebot und viele Infos über EGN gibt es auf der EGN-Homepage. Sie kennen ‚Stille Helden‘ und möchten, dass deren Tun auch einmal besonders gewürdigt wird? Dann schreiben Sie mir doch oder rufen Sie mich an.

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